Rezension: Stephan Peters “Elite Sein”

Elite sein petersImmer noch schön: Aus aktuellem Anlaß regten die üblichen Verdächtigen an, daß ich—als der “völlig unbekannte” Mystery-Rezensent von Stephan Peter’s Schwadronier-Dissertation Elite Sein—mein längst in die Internet-Dämmerung verblichenes Gedankensammelsurium zu diesem Werk erneut noch einmal ins Netz stelle. Da Herr Peters nun seit Jahren mit diesem Stoff durch deutsche Lande tingelt, sich für Geld sehen und hören lassend, und eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Arbeit nicht erfolgte, sei dieser Bitte hiermit Folge geleistet…

In erstbester Gesellschaft: Die Vorbilder von Peter's Verbindungskritik

Wie bei Blondinen: Auch in der “modernen”  Verbindungskritik des Dr. Peters schlagen die braunen Wurzeln immer wieder durch!

KABALE UND HIEBE: ZUR SOZIO-PATHOLOGIE VON DR. STEPHAN PETERS’ ELITE SEIN (2004)

“Stephan Peters war Mitglied einer Studentenverbindung. Dann ist er ausgetreten. Seitdem kämpft er gegen Männerbünde an der Uni. Das Thema lässt ihn nicht los…”

—Die tageszeitung,  24.4.2010

Eine Rezension von J. Christoph Amberger

(Zum Geleit: Am 24. 4. 2010 schrieb die gute alte Taz: “Wenn [Peters] etwas veröffentlicht, schneien im Internet sofort böse Kommentare herein. Ein Verbindungsmitglied aus den USA, von dem er vorher nie gehört hatte, hat einen Verriss von Peters Doktorarbeit ins Internet gestellt.” Traurig aber leider nicht wahr. Auf Du und Du mit dem Rezensenten seit den alten UseNet-Tagen, hatte Peters sich nicht nur schon lange vor seiner Promotion gern mit dem Verfasser der folgenden Zeilen gekabbelt, sondern ihn auch zur Rezension seines Werks aufgefordert… ein Angebot, das wir natürlich nicht abschlagen konnten…)

In der medizinischen Diagnostik des Mittelalters spielte die Analyse des menschlichen Urins eine tragende Rolle: Quacksalber behaupteten, aus Farbe und Geschmack den pathologischen Befund ihres Patienten schlüssig diagnostizieren zu können.

Eines ähnlichen Denkansatzes bedient sich der Marburger Soziologe Stephan Peters in seiner Dissertation Elite sein (Marburg: Tektum, 2004).[1]

Offizielle Zielsetzung dieser wissenschaftlich verkappten Arbeit ist es, die dynamischen Sozialisierungsprozesse realer deutscher Studentenverbindungen (insbesodere der Kösener und Weinheimer Corps) analytisch darzustellen.

(ANMERKUNG: Laut Angaben der Uni Mannheim ist Dr. Stephan Peters nun “selbständiger Rhetoriktrainer und Wissenschaftsberater mit Sitz in Kehl/ Strasbourg.”  Besonders amüsant im heutigen Zusammenhang ist die Notiz, daß Dr. Peters sich auf “Seminare im Bereich der (Selbst-) Präsentation sowie der Rhetorik mit dem Schwerpunkt Inhalt” spezialisiert. Finden wir ebenso a propos wie köstlich…)

Dicht daneben ist auch vorbei: "So groß" war der Stapel Fotokopien, die Dr. Peters zur Schreibung seiner Diss. mißbrauchte.

Selbstpräsentation mit Schwerpunkt Inhalt: “So groß” war der Stapel Fotokopien, die Dr. Peters zur Schreibung seiner Diss. mißbrauchte.

Der Drang, sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen, ist augenscheinlich nicht rein akademisch: Dem Rezept nachmittäglicher Präkariats-Talkshows folgend demaskiert sich der Altherren- und Akademikersohn Peters bereits in den ersten Seiten publikumswirksam als ausgestiegener Insider, der sich seinen Stoff nicht nur angelesen hat, sondern auch aus der emotionalen Völle persönlicher Leidensgeschichte (“I Was a Teenage Werewolf”) schöpft: In den 90er Jahren war Peters nämlich Mitglied eines Verbindung spielenden, nicht farbentragenden, nichtschlagenden Katholikenkränzchens, was ihm anscheinend recht behagte bis ihn ein Uniwechsel nach Marburg, u.a. auch in eine “steilere” farbentragende katholische Verbindung, fünf Jahre später (!) des Irrtums seiner Wege überzeugte.

Die taz, in unnachahmlicher Sachlichkeit, schildert den Vorgang so:

“Es hat keinen Knall getan, als Stephan Peters beschloss, sein gewohntes Dasein aufzugeben und in ein neues, unbekanntes Leben zu treten. Ein Leben, in dem er auf einmal ziemlich alleine dastand – ohne Familie, ohne Freunde. Ohne Kappe, ohne Schärpe. Ohne bierselige Umarmungen an langen Tischen, ohne Gottesdienst am Sonntag.” (Taz vom 24.4. 2010)

Über Sache mit dem Knall läßt sich wohl streiten. Doch diese persönliche Erfahrung qualifiziert ihn fortan als Sachverständigen für konspirative Geheimbünde von Studentenverbindungen bis hin zur Redaktion der Bäckerblume.[2]

Doktor Peters: Was heißt hier Vogel?

Doktor Peters: Was heißt hier Vogel?

Was letztendlich nun diese paulinische Wandlung vom “kein Mitläufer” (S. 41) zum schonungslosen “Kritiker” auslöste behält der rotgrüne akademische Methusalem allerdings schön für sich. War es der ungewohnte Druck des Marburger Hinterhauptcouleurs? Der traditionelle Zwang, dieses beim Abschlagen des eigenen Wassers vom Kopf zu entfernen? Oder handelt es sich angesichts des väterlichen Engagements um eine spätberufene, dafür aber ins reife Erwachsenenalter erhaltene post-adoleszente, gar ödipale Rebellion gegen die Macht der Vaterfigur?

Wir können nur spekulieren—bis wir am Ende des Buches auf eine merkwürdigen Kommentar stossen:

Hier, auf S. 279 und S. 293, bringt Peters die Institution des Leibverhältnisses zwischen Leibbursch und Leibfuchs (dem “Big Brother” bzw. der “Big Sister” der amerikanischen fraternities und sororities vergleichbar) auf geradezu homophob anmutende Weise in den Ruch misogyner, “institutionalisierter” Homosexualität und vergeht sich wohlig an pop-psychologischem Schnickschnack über das angeblich in den Aufnehmeritualen der Corps betonte “sadistische Streben nach Macht” und dem “masochistischen Zug der Aufopferung und Unterordnung” (S. 278).

O lala, Herr Doktor!

Dies dürfte die meisten Corpsstudenten nicht nur bass erstaunen sondern auch köstlich amüsieren, lässt doch diese Behauptung in Zusammenhang mit Peters’ korporierter Autobiographie (besonders natürlich in Hinsicht auf die rezenten Skandale der katholischen Kirche) äusserst gewagte Rückschlüsse auf das anscheinend recht muntere Triebleben innerhalb nichtfarbentragender katholischer Studierendenkränzchen zu. Honi soit, qui mal y pense:

Kann man die Psychopathologie der Peters’schen Wandlung demnach also vielleicht auf frustrierte homoerotische Ambition innerhalb dieser “steileren” (!) Marburger Verbindung reduzieren?

“Not that there’s anything wrong with that,” um hier einmal den amerikanischen Komiker Jerry Seinfeld zu zitieren.

DEAD MATTER

Allerdings ist Peters’ nunmehr recht schwül anmutende Apocolocyntose—tun Sie doch nicht so, als wüßten Sie was das heißt, schlagen Sie’s lieber nach!—dann auch das letzte Beispiel eines lebenden Verbindungsstudenten in seinem Buch. Denn bereits in der Rechtfertigung seiner Methodik gibt Peters zu Protokoll, dass er eine zunächst anvisierte Faktensammlung basierend auf realen, lebenden Corpsstudenten verwarf, u.a “aus Sorge um die dafür notwendige Distanz zum Forschungsgegenstand” (S. 38).

Warum nun dem begnadeten Doktoranden—nach 30-semestrigem Studium!— die von jedem Feld-, Wald- und Wiesenjournalisten handwerksmässig erlernbare Objektivität notwendig abgehen sollte, bleibt unerklärt. Folgerichtig finden aber kategorisch keine statistisch oder empirisch mit einem gewissen Grad der Sachlichkeit auswertbaren standardisierten Datenerhebungen oder gar Befragungen des Forschungsobjekts statt.

Auch hierfür gibt es gute Gründe, die der Autor uns allerdings vorbehält: In seinem Kriminalroman The Thin Man lässt Dashiel Hammett den Mörder der Titelfigur durch einen einfachen Trick die Aufmerksamkeit der Polizei von sich ablenken. Er begräbt das spindeldürre Opfer im Anzug eines Fettleibigen. “You can’t tell whether a man was thin or fat by his skeleton,” sinniert Private Eye Nick Charles.

 

Wenn Sie mal über eine anständige Verschwörung lesen wollen, lassen Sie den Peters im Regal und kaufen Sie lieber dieses Buch!

Wenn Sie mal über eine anständige Verschwörung lesen wollen, lassen Sie den Peters im Regal und kaufen Sie lieber dieses Buch!

Diese Methodik ist nicht nur dem soziopathischen Bösewicht Hammetts zueigen, sondern eigentlich jedem guten Verschwörungstheoristen. Man benötigt, um realitätssuggerierende Szenarien aufbauen zu können, lediglich ein Skelett aus handverlesenen artikulierten Faktoiden und eine weitgefasste äussere Umhüllung, welcher sich durch Heissluft und die autosuggestive Vorstellungskraft, die fixen Ideen, Ressentiments und Vorurteile des Beschauers eine genehme (wenn auch oberflächliche) Form geben lässt. Jede Spur realen “Fleischs” schlägt sich nachteilig auf die vorgebliche innere Kohärenz der kabalistischen Illusion nieder und muss daher peinlichst vermieden werden.

In diesem Sinne legt sich Peters bereits früh auf eine kollektivistisch-maschinistisch anmutende Definition von “Individuum” fest:

“Das Individuum wird in dieser Arbeit nicht als selbständiges und unabhängig existierendes Wesen verstanden, sondern als abhängig kommunizierendes, das in einen Gesellschaftsprozess eingebunden ist.” (S. 36)

In anderen Worten: Das Individuum als Nicht-Individuum!

FISCHEN IM TRÜBEN

Ein Biologe, Anatom, Antropologe oder Ethnologe würde heutzutage vermutlich nicht einmal mehr in Deutschland eine relevante Forschungsarbeit vorlegen können, die ihre Rückschlüsse auf organisch-dynamische Interdependenzen allein aufgrund von eingemachten taxidermischen Präparaten aus dem Archivkeller trifft. Glücklicherweise sieht die deutsche Soziologie das nicht ganz so eng. Nach der programmatischen Ausschaltung eines realen (und daher eventuell mit den als Forschungsparameter verkleideten Vorurteilen nicht kompatiblen) Forschungsgegenstands sucht Dr. Peters daher sein Heil im geduldigen Formaldehyd der Universitätsbibliothek.

Besonders angetan im Spektrum dieser selbstauferlegten (und fast autistisch anmutenden) Hermeneutik haben es ihm die solipsistischen Ergüsse der politisch-korrekten Emanzen- und Elitenliteraten sowie ausgesuchte Ephemera aus der Altherrenschwadroniermaschine der verbindungsstudentischenVerbände: Da gibt es dann schon etwas angestaubte Festschriften aus den 60er Jahren, Hochglanzartikel aus Verbandsmagazinen, Snippets aus Tisch- und Damenreden der Brandt-Ära und sogar wiederaufbearbeitete Flugblätter von Verbindungen, die als Primärquellen herhalten müssen, was das Zeug hergibt.

Doch schon in der Literaturliste finden sich bemerkenswerte Indizien eindimensional stratifizierter Präselektion: Zitiert Peters nämlich bereits im Vorspann (S. 13) corpsstudentische Schriftquellen, die seiner programmatischen These von gegenseitiger kabalistischer Bevorzugung von Corpsstudenten im Arbeitsmarkt Vorschub leisten, unterschlägt er dem Leser einschlägige Literatur, die bereits 1975 das Gegenteil konstatierte. [3]

Bezeichnend ist ebenfalls, dass Peters seinen populärpsychologischen Hintergrund mit Erfassung einiger (heutzutage selbst auf dem zweiten Bildungsweg abgedeckter) Klassiker Siegmund Freuds skizziert, jedoch das sich für die sozio-psychologische Analyse des “Bruderbundes” geradezu aufdrängende Totem und Tabu auslässt. Auch ein weiteres Schlüsselwerk zur Untersuchung von Männerbünden und Blutritualen, Barbara Ehrenreichs Blood Rites (1997) ist dem Autor entweder unbekannt oder ungenehm.[4]

Hingegen finden wir Bahnhofskioskliteratur wie Kornfields Die Lehren Buddhas und den Schlüssel zum Mittleren Weg des Dalai Lama, welche dann halbverdaut in unübersichtliche Graphiken umgemuddelt werden und den Übergang in den Altherrenstatus als “Wiedergeburt” überinterpretieren [5] (S. 282 und 286.)

Obgleich Peters die Verbände der Corps der Geschichtsklitterung zichtigt, was die Rolle der Corps im Dritten Reich angeht (S. 95 ff und S. 115 ff), glänzen auch die nazionalsozialistische Ablehnung und Gewalt gegenüber den Corps dokumentierenden Schriften von Martin Pabst [6] und Thomas Oertel[7] durch Abwesenheit. Lediglich Rosco G.S. Webers Die Deutschen Corps im Dritten Reich wird erwähnt, aber aufgrund “seiner unkritischen Auswahl und Verwendung von Quellen und der nur mangelhaften Einbindung seiner Auslegungen in den allgemeinen Forschungsstand” (S. 26) verworfen.

Die gute Frau Kurth: Um einiges attraktiver als Autor und Rezensent, aber mit den Tatsachen hapert's bei ihr...

Die gute Frau Kurth: Um einiges attraktiver als Autor und Rezensent, aber mit den Tatsachen hapert’s bei ihr…

Letztere Wertung ist, in ihrer Monierung mangelnder Gleichschaltung, besonders repräsentativ für Peters’ Denk- und Arbeitsweise. Er hat nämlich keinerlei Bedenken, die Arbeiten der PDS-nahen Alexandra Kurth bzw. des tendenziösen Marburger “Projekts Konservatismus und Wissenschaft” als wertig zu befinden, definieren diese (trotz der einem seiner leitenden Mitglieder in der Süddeutschen Zeitung bescheinigten “plakativen Parteilichkeit”) doch anscheinend den “allgemeinen Forschungsstand”.

Auch Heithers Marburg, o Marburg: Ein “Antikorporierter Stadtrundgang”—von ansässigen Verbindungsstudenten häufig als plumpe Hetz- und Sondierungsliteratur für potentielle Brandstifter empfunden—gilt demnach implizit “kritisch” und ganz auf dem letzten Stand und findet damit Eingang in die hohen Hallen seines bibliographischen Olymps.

Trotz einer eher lästigen Tendenz, Textsequenzen nach unnachvollziehbaren Kriterien durch Umkastelung herauszustellen, versäumte es Dr. Peters leider, seine Primärquellen im Literaturverzeichnis ebenso visuell von der Sekundärliteratur abzuheben. Auch dies ist wahrscheinlich nicht ganz unabsichtlich. Denn wenn man eine privat gehaltene, dreissig Jahre alte Tischrede eines ausserhalb seines zeitgenössischen Umfelds unbekannten Altherrenvorsitzenden eines Provinzcorps kontextuell gleichsetzt mit den jüngsten Veröffentlichungen des eigenen Doktorvaters, wertet man seine Primärquelle implizit auf und spart sich gleichzeitig eine Menge Arbeit:

Durch gleichwertige Listung wird autosuggestiv ebenbürtige Wertigkeit in den Augen der akademischen Obrigkeit erzielt, der sich Peters durch Submission seiner Arbeit unterwirft. Lediglich der keinen direkten Vorteil (Doktortitel) erwartende kritische Leser bleibt mit der Frage zurück, welche tatsächliche Relevanz und allgemeine Verbindlichkeit Jahrzehnte zurückliegende Festschriften, Tisch- und Damenreden für die Analyse angehender dynamischer und angeblich hochspezifischer Sozialisierungsprozesse haben.

Hier bringt Peters strategisch seine auf mehreren Seiten recht melodramatisch zur Schau getragenen Rolle des von nagendem Zweifel ob der “Distanz als ex-Insider” geplagten “Ringers-um-Wahrheit” ins Spiel, welche ihm letztendlich eine Art “zweites Gesicht” (er nennt dies “doppelten Blick” (S.41)) verschafft.[8]

Diese exklusive Verbindung von Forschung und Eigenerfahrung entbindet ihn also a priori davon, die tatsächliche Rolle von veröffentlichten Texten für das reale und gegenwärtige Verbindungsleben in ihrer präskriptiven, beschreibenden, kommentierenden oder gar proskriptiven Funktion für das zu sozialisierende Individuum zu erläutern, und diese Erläuterung eventuell gar auf die Bedeutungs- und Autoritästebene des veröffentlichenden Autors oder Gremiums auszuweiten.

Soviel selbsterteilter Freiraum zahlt sich natürlich aus: So münzt Peters z. B. eine im Jahr 1975 in holprigen Versen gehaltene, in angeheiterter Stimmung einem ebenso angeheiterten gemischten Publikum vorgetragene Damenrede in eine programmatische “Geschlechterideologie” (S. 185) um, die anscheinend in Hinsicht auf ihre seinsdefinierenden Qualitäten mit den verbandsübergreifenden Statuten und Elementen der Corpskonstitutionen gleich rangiert. (Dabei verschweigt Fuchsmajor Peters, daß die traditionsmäßig von einem Fuchsen gehaltene Damenrede zuerst beabsichtigt provokant sein soll, um letztendlich der allgemein anerkannten Überlegenheit der Frau möglichst wienerisch Ausdruck zu verleihen. Das weiß natürlich niemand in der Verbindungskritik, weshalb man entsprechend beabsichtigte Fehlinterpretationen der Kritikergemeinde unter’s kollektive Hemd drücken kann…)

Hoffentlich versteuert: Für Biergeld langt's Honorar allemal...

Hoffentlich versteuert: Für Biergeld langt’s Honorar allemal…

A propos Corpskonstitution. Gleich am Anfang seiner Arbeit gibt Peters eine Kostprobe seiner recht geschickten Quellenmanipulation. Es werden nämlich nicht nur missliebige Quellen aus der Basis eliminiert (s.o.)… auch missliebige Textstellen werden elegant ausgelassen. So gibt Peters beispielsweise vor, das Handbuch des Kösener Corpsstudenten zu zitieren wenn er schreibt:

“Den Zweck einer Organisation findet man häufig in der Präambel oder den Statuten der Gemeinschaft schriftlich niedergelegt. So ist es auch bei den Corps. Die ‘Zweckbestimmung’ eines Corps besteht darin, die Mitglieder ‘zu Vertretern eines ehrenhaften Studententums und zu charakterfesten,tatkräftigen, pflichttreuen Persönlichkeiten zu erziehen’.” (S. 14)

Das ist auch in der Tat der Fall. Entsprechende Textstellen lassen sich wirklich in den Präambeln fast aller Corpconstitutionen finden. Nur legen Gemeinschaften nicht nur den Zweck ihrer Organisationen gern schriftlich fest, sie wichten diese auch im Falle eventuell auftretender multipler Zwecke. Entsprechend gibt das komplette Zitat einen etwas umfassenderen Sachverhalt wieder als Peters uns vormachen möchte. In den Statuten des Kösener SC-Verbandes heisst es nämlich im ersten Paragraphen:

“Das Corps ist eine Vereinigung immatrikulierter Studenten mit dem Zweck, die Mitglieder in aufrichtiger Freundschaft auf Lebenszeit zu verbinden und – ohne Beeinflussung ihrer politischen, religiösen und wissenschaftlichen Richtung — zu Vertretern eines ehrenhaften Studententums und zu charakterfesten, tatkräftigen, pflichttreuen Persönlichkeiten zu erziehen.”[9]

Aufrichtige Freundschaft auf Lebenszeit? Das generationsübergreifende freundschaftliche “Verbinden” als Primärzweck? Toleranz gegenüber politischen, religiösen und wissenschaftlichen Richtungen? What’s next… world peace!? Wo käme ein ordentlicher Verschwörungstheoretiker hin wenn er so etwas in den Mund nehmen würde? Nach Säuberung dieser störenden (weil nicht vorurteilskonformen) menschlichen Partikel kann sich dann Peters getrost den Corps als geheimnisumwitterte Erziehungsschmieden von bürgerlichen Macht- und Elitekadern widmen.

Hier erweist sich der erstaunlich biedere Biedermann Peters nun endgültig als geistiger Erbe preussischer Untertanenmetalität. Denn in dieser restriktiven Weltsicht ist Erziehung nunmal Vorrecht und Angelegenheit des Staates und seiner beamteten Zuarbeiter. Wer unabhängig einen weitergehenden Erziehungsauftra für sich selber definiert und diesen gar auch noch institutionell und ohne staatliche Zuwendungen über anderthalb Jahrhunderte hinweg in die Tat umsetzt, ist von vornherein suspekt. Wie auch die abgeschottete spirituelle Ausbildung in den Talmudschulen von Deutschen jüdischen Bekenntnisses das Misstrauen von Obrigkeit und Untertan anregten und in die Mär von den “Protokollen des Weisen Zions” mündeten, stellt Peters die angebliche corpsstudentische Kabale als einen (zugegeben schwachen und lokal begrenzten) Aufguss der Bilderberg Group vor.[10]

Auch Peters’ häufig angesprochene ursprüngliche Absicht, die Corps als quasi-religiöse Kulte abzuhandeln, ist wohl diesem Phänomen zuzuordnen.

In dieser vorgeblichen corpsstudentischen Kabale geht es nach Peters um Aufrechterhaltung von “Macht.” Wobei es sich bei dieser “Macht” handelt – etwa gar um den von Frank Zappa besungenen Tower of Power? – bleibt uns unbedarften Lesern wieder vorenthalten. Und da sich Peters ja im Vorspann so dramatisch dazu durchrang, keine realen Erhebungen von Fakten anzustellen und stattdessen ein Sammelsurium von Zitaten als “Daten” anzusehen, können wir den anthitetischen Spielraum zwischen der skelettalen These und der synthetischen Umhüllung mit spekulativer Warmluft in die jeweils genehme Form boxen.

DIE MASSENIDENTITÄT EINER MINDERHEIT

Um nicht aus der soziologischen Reihe zu tanzen und ja nichts Neues zu bieten, stellt Peters seine Thesen unter den inzwischen reichlich abgenutzten Regenschirm des Adorno und seiner mit Recht als hinterfragbar darzustellenden Kollektividentität der Mehrheit.

Warum diese Mehrheitsidentität nun ausgerechnet in der Minorität der einzelnen Corps zu finden sei (welche nur einen verschwindend geringen Anteil der deutschen Studentenschaft darstellen und ja gerade durch die Mensur das vegetative Selbst-Verständnis und die rationale Ausmessung des Individuums in den Zentralpunkt stellen) und nicht in der gesichts- wie geschichtelosen Kollektividentität der modernen Massenuniversität, darüber lässt sich Peters nicht aus. Also muss der emotional überladene Begriff der “Elite” herhalten, der mit den ebenso ausgelutschten Beiwerk von “autoritär” und “hierarchisch” geschmückt wird.

(Allerdings bleibt Herrn Peters augenscheinlich die feine Ironie verschlossen, dass ausgerechnet ein Langzeitstudent, der anderthalb Jahrzehnte lang seiner Passion auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung frönen durfte, nicht nur selbst einer hochsubventionierten “Elite” angehört, sondern sich auch als (masochistischer?) Supplikant mit Vorlage seiner Dissertation um Aufnahme in die streng durch Titel und Gehaltsklassen strukturierte, autoritär, elitär und hierarchisch gegliederte Seilschaft der deutschen Berufssoziologen bemüht, in deren niederen Chargen er bereits den formativen — wenn auch sozial mehrwertfreien — Lebensabschnitt seines Erwachsenenlebens verbrachte.)

“DER EINE FRAGT: ‘WAS KOMMT DANACH?’…”

Wie oben bereits angesprochen existieren Peters’ Corpsstudenten ausschliesslich auf dem Papier, in hermeneutischer Exklusivität und als mechanistische Einzelteile eines weitgehend fiktiven, aus Zitatenschnipseln von corpsstudentischen Druckephemera zusammengeleimten Kollektivs. Die “Erziehung,” die ihnen Peters angedeihen lässt, ist in Ermangelung individueller Identität entsprechend eher ein mehrvektorales Programmieren inneralb eines gesellschaflichen Vacuums.

Ganz im Sinne dieses mechanistisch-deterministischen Weltbilds erfolgt dieses Programmieren nach Peters aufgrund eines konstanten Unterwerfungsprozesses, in dem das Individuum unter Aufgabe seiner individuellen Charakteristika Denken und Handeln einem verbindlichen “Normenkatalog” unterwirft. Trotz seiner mehrjährigen Aktivenzeit scheint der gutkatholische Fuchsmajor a.D. Doktor Peters allerdings die realen Hauptelemente der verbindungsstudentischen “Erziehung” verdrängt zu haben, oder aber er unterschlägt sie wissentliche dem unbeleckten Leser:

Denn das reale Leben innerhalb der corpsstudentischen “alternativen Wohngemeinschaft” — nichts anderes ist ein Corps — beruht nicht nur auf Anpassung, Selbstregulierung und –ordnung aufgrund von demokratisch beschlossenen und häufig hinterfragten Semesterbeschlüssen und Statuten. Es beginnt mit der vom Individuum getroffenen freien Entscheidung, von seinen grundgesetzlich verbuchten Grundrechten der Versammlung- und Assoziationsfreiheit Gebrauch zu machen. Es erfordert im weiteren die bewusste Bereitschaft, Verantwortung übernehmen und tragen zu wollen und für die Ausführung der freiwillig akzeptierten Pflichten den gleichberechtigten Mitgliedern der Gemeinschaft verantwortbar zu sein. Innerhalb dieser urdemokratisch geführten Gemeinschaft ist jeder Träger eines Amts (Charge) nicht nur wählbar sondern auch abwählbar[11]— ein Konzept, an dem bereits die Verbindungskritiker des NSDStB Anstoss nahmen.

Aufnahmebedingung in diese Gemeinschaft ist übrigens weiterhin lediglich die Immatrikulation und die mehrheitliche Zustimmung der jeweiligen Aktivengemeinschaft.[12]

Verantwortung und Verantwortbarkeit sind anscheinend in Peters’ “Milljöh” heute schon anrüchige Fremdwörter. Da ist es dann schon einfacher, kabalistische Verschwörungen zu bemühen, als zugeben zu müssen, dass die während der Aktivenzeit unter grossem, extrakurrikulären Zeitaufwand eingeübten “Skills” (Budgetverwaltung und –planen, effektives Leiten und Beitragen von und bei Konferenzen, tatkräftige Umsetzung von Plänen in Realität etc.) sich als aus Arbeitgebersicht durchaus wünschenswerte Zusatzqualifikationen bemerkbar machen.

Nach Peters schliesst der corpsinterne Erziehungsprozess offensichtlich auch externe Einflüsse rigoros aus. Es gibt bei ihm nicht nur keine persönlichen oder sachlichen Differenzen innerhalb des aktiven Corps, oder des aktiven Corps mit der Altherrenschaft, die demokratisch und oft mit Kompromissen bereinigt werden müssen. Es gibt auch nie Veranlassung für den individuellen Corpsstudenten, sich selbst und allein mit dem negativen Feedback des gesellschaftlichen Umfelds auseinanderzusetzen. Es gibt keine Reibungen mit den Eltern, die Alkoholkosum, “Zeitverschwendung”, Persönlichkeitswandlungen monieren und zur Selbstanalyse motivieren. Es gibt keine Konflikte zwischen Studien- und Corpsveranstaltungen, welche zum Setzen von Prioritäten und besserem Zeitmanagement zwingen. Es gibt in Peters’ Phantasiewelt natürlich auch keine Anpöbeleien oder Diskriminierung durch sich autonom, kollektivistisch oder “kritisch” gebende Kommilitonen und Professoren. Noch muss sich der Corpsstudent mit den Verallgemeinerungen, Verzerrungen und Verhetzungen durch die in Hinsicht auf studentische Verbindungen fast gleichgeschalteten Massen- und Universitätsmedien auseinandersetzen, welche seitens des Waffenstudenten zumindest reaktive interne Analysen und reflexive Verhaltensmuter auslösen könnten… ebensowenig wie mit Brandanschlägen, Sachbeschädigungen und tätlichen Übergriffen “autonomer” Kommilitonen.

CHERCHEZ LA FEMME

Ein weiteres zentrales Versatzstück des Buchs ist die angebliche “Frauenfeindlichkeit”, bzw. das “sexistische Frauenbild” der Corps.

Wie auch das altbackene “rechts-links” Weltbild des Autors scheint dieses Modul seines ideologisierten Plattenbaus direkt aus der bundesrepublikanischen Frühzeit übernommen. Es ist mit Anstand eines der abgetragensten und archetypischsten Versatzstücke populärkulturellen Salms, welches sich hauptsächlich an der Tatsache aufrecht erhält, dass die Corps nicht gewillt sind, autonomen und autarken Damenverbindungen Konkurrenz zu machen. Der sich dadurch in der Entitlement-Mentalität professioneller Akademiker unabdingbar ableitende Sexismus stellt die Corps auf dieselbe Ebene solch sexistischer Hochburgen wie die Pfadfinder, den Benediktinerorden, gewissenlose Kondomhersteller mit Ein-Produkt-Palette, Frauenhäuser, das Ensemble von La Cage aux Folles, oder die Diakonissen.

Doch Peters geht noch einen Schritt weiter. Nach sämig-pietistischen Ergüssen über einschlägige gynozentrische Sekundärliteratur bring er ein Stück dokumentarisches TNT zum Explodieren. Er kombiniert messerscharf anhand von angestaubten Fragmenten einer Damenrede: Der typische Corpsstudent sähe die Frau als “‘schmückendes Beiwerk,’ sie rangiert unterhalb des Mannes (als eine Art Anhängsel, das man ‘mit sich schleifen’ kann), sie hat die Aufgabe, es dem Mann gemütlich zu machen (Pantoffel reichen), sie ist für das Haus zuständig (Staub wischen), sie hat die sexuellen Ansprüche des Mannes zu erfüllen (sie ist sozusagen griffbereit) und sie ist intellektuell dem Mann nicht ebenbürtig.” (S. 186)

Das reicht schon aus für den Rückschluss: “Die Ideologie des corpsstudentischen Männerbundes beinhaltet Deklassierung und Degradierung des Weiblichen.” (S. 189)

Donnerklüt! Was man nicht alles für textemanentes Geschwätz in eine Damenrede von 1975 induzieren kann!

Auch hier erweist sich der präventive Ausschluss faktischen “Fleischs” als äusserst bequem: Da es definitiv keine realen Corpsschwestern und –witwen zu geben hat und reale Freundinnen, Verlobte, Schwestern, Mütter und Töchter leiderleider keine “Individuen” im Sinne der Peters’schen Arbeitsdefinition darstellen, kann dieser autoritär gemachten Aussage auch nicht widersprochen werden! Nicht einmal Frauenhäuser und –gruppen müssen um statistische Angaben bemüht werden, wie sich corpsstudentische Frauenfeindlichkeit real jenseits der Nichtteilnahme an Mensuren und Corpsconventen niederschlägt![13]

WOZU DAS GANZE?

Nach 294 Seiten von etwas autoerotisch anmutender Asphyxiation lehnt sich dann Doktor Peters ganz weit aus dem Fenster. Er beantwortet die hausgemachte Forschungsfrage “für welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Korporation?”

Die Einsicht ist bahnbrechend, wegweisend, wenn nicht gar genial:

“Eine studentische Korporation vom Typ Corps sozialisiert für das vorwiegend konservativ-technokratische Milieu.”

Oha.

Chapeau! Ein Doktor in nur 30 Semestern!

Chapeau! Ein Doktor in nur 30 Semestern!

Dies entspricht in der Aussagekraft etwa dem Schluss, dass Menschen Wasser und Kohlenstoff im Körper vereinen. Nicht schlecht also für 15 Jahre Hochschulstudium!

Nun mag das ein Forschungsergebnis sein, das nicht nur von jeder Litfasssäule ablesbar ist, sondern vermutlich bereits vor all dem pseudo-wissenschaftlichen Tamtam feststand. Aber der bereits in nebentätiger Berufung engagierte Verbindungs”kritiker” und Bildungskonsument Stephan Peters kennt sein Publikum. Er gibt der Handvoll hauptberuflicher “Kritiker”kollegen was diese von der bundesdeutschen Soziologie zu erwarten haben.

Er erfüllt dem satten akademischen Wohlfahrtsbürger die von Günter Ederer attestierte “Sehnsucht nach der verlogenen Welt,” ohne dabei grossartig Zivilcourage benötigen zu müssen. Denn wie viel einfacher ist es, über postulierte Frauenfeindlichkeit der Corps eifern zu können als sich beim Mahnwacheschieben vor Konsulaten, Madrassas und Moscheen Kerzenwachs auf die Hände zu kleckern? Wie wunderbar sauber und unkontentiös ist es, Elitismus und Vetternwirtschaft von Corpsstudenten anzuprangern, ohne sich mit den SED-Altbonzen in der Partei des Demokratischen Sozialismus die Hände schmutzig machen zu müssen.

Doch die Teleologie dieser Arbeit war ja in erster Linie nicht nur Selbstgratifikation sonder Selbstzweck: Die Erlangung eines Doktortitels und der damit zu erwartenden finanziellen und professionellen Perspektive als Mitglied einer selbstselektierenden (daher elitären) akademischen Seilschaft. Dieses Plansoll hat Peters übererfüllt.

Nebenfunktion ist jedoch offensichtlich, mittels gezielter und plakativer Verwendung von teils opakem, sich teils an der Grenze zur Selbstpersiflage befindlichem Soziologenargots ebenso ständische wie populäre Vorurteile und Ressentiments zu legitimisieren, deren Ursprung im Klassen- und Kastendenken des 19. Jahrhunderts zu suchen ist. Damit kann man eigentlich in der deutschen Massenkultur nicht falschgehen.

Anscheinend ist zumindest der Marburger Soziologie dieser an die totaliaristische deutsche Vergangenheit gemahnende Ansatz von Forschungsmanipulation und –fälschung bereits nicht mehr als solcher erkennbar, was sich in der Annahme dieser Dissertation als authentischen Forschungsbeitrag äusserte. (Bei diesen Standards ist es natürlich nicht schwer zu sehen, warum deutsche Universitäten im internationalen Vergleich nur noch unter ferner liefen rangieren!)

Wie sieht es nun mit den gesellschaftlichen Kosten seiner Arbeit aus? Das deutsche Universitätssysstem erfreut sich ja bekanntlich des Rufes einer einzigartigen Umverteilungsmaschine: Auf Kosten von steuerzahlenden Arbeitern, kleinen Angestellten und Kinderlosen darf sich der Jungakademiker aus gutem Hause auf seine Rolle als hoffentlich Besserverdienender vorbereiten. Der gutbürgerliche Systemkonformist Dr. Peters verbrachte auf diese Art nach eigenen Angaben zwischen 1989 und 2004 wie gesagt gute 30 Semester (!) auf Kosten des Steuerzahlers an diversen hohen Schulen. An vergleichbaren staatlichen Universitäten in den USA würden sich die jährlichen Kosten für ein Studium dieser Wellenlänge auf etwa 10.000 Euro pro Jahr belaufen. Überschlägt man, dass Herr Peters nach seiner Bundeswehrzeit auf ein (niedrig angesetztes) jährliches Brottoeinkommen von ca. 20.000 Euros verzichtete, ergibt sich ein volkswirtschaftlicher Preis von gut 450.000 Euros für Vorlaufszeit und Produktion dieser Dissertation. Und das ohne die der sozialen Marktwirtschaft durch Anrechnung der Ausbildungszeit entstandenen Rentenansprüche mit einzuberechnen.

Ist die Solidargemeinschaft auf ihre Kosten gekommen? Nachsicht: Vor 10 Jahren noch hätte Dr. Peters ein Doktortitel in Soziologie zu einer skill-kompatiblen Karriere als Taxifahrer und Gelegenheitsleser an der Volkshochschule befähigt… jedoch keinen
volkswirtschaftlichen Mehrwert für die investierten Fonds erbracht. Heute jedoch—wo sich die Klasse der Polit-Mandarine in BRD und EU derart verbreitert hat, dass selbst der oberste Geldverschieber einer totalitären Opportunistenpartei zum Wirtschaftssenator der Bundeshauptstadt avancieren kann—kann Dr. Peters wegen seiner bewiesenen linientreuen Manipulationstalente beigehörigem persönlichen Einsatz einer gesicherten Funktionärs- und Goldfasankarriere in Europaparlament oder UNO entgegensehen. (Das einzige Haar in der Suppe: Bei soviel Warmluftabsonderung drohen ihm gehörige Zusatzkosten durch CO2-Zertifikate!)

Jemandem mit Erwartungen an Peters als Experten “der (Selbst-) Präsentation sowie der Rhetorik mit dem Schwerpunkt Inhalt” sollte man allerdings zu Denken geben, daß “Inhalt” generell wertneutral ist: Inhalt hat auch der Abfalleimer unter der Küchenspüle. Oder aber eine deutsche Soziologendissertation…

FUSSNOTEN:

[1] Zufall oder Fügung? Im Jahr 1999 nahm ich an einer Hochzeits- und Familienfeier auf dem Haus des Corps Hannovera in Göttingen teil. Während des Festes wurden zwei in unmittelbarer Nähe des Hauses geparkte PKWs durch “Autonome” in Brand gesteckt. Im selben Jahr meldete ein bereits seit gut einem Jahrzehnt dynamisch studierender Jungsoziologe seine Dissertation an der Uni Marburg an. Thema: “Elite sein: Für welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Verbindung?” Kaum ein halbes Jahrzehnt später liegt uns nun die abgeschlossene Arbeit zur Begutachtung vor.

[2] Peters’ persönliche Erfahrungen beantworten für mich eine seit langem brennende Frage: Während meiner Aktivenzeit wurde mir von Aussenstehenden häufig erklärt, dass sie aufgrund persönlicher Vorbehalte nicht aktiv werden könnten. Viele bezogen sich dabei auf einen mysteriösen “sehr, sehr guten Freund”, der “mal auf so’m Sängerschaftshaus gewohnt hat.” Aufgrund der Diskrepanz in der Anzahl von Sängern und der Multiplizität der “sehr, sehr guten” Freunde war ich lange geneigt, letztere derselben Kategorie von urbanem Mythos zuzurechnen wie den kurzbeinigen Chihuahua, den Bekannte der Tante meines Freundes aus Mexico City mitbrachten und der sich dann beim Tierarzt als tollwütige Kanalratte herausstellte. Nun weiss ich’s besser: Bei diesem “sehr, sehr guten Freund” muss es sich um Dr. Peters handeln!)

[3] Siehe Mertens, Heinz-Klaus, “Der Bund für’s Leben,” Manager Magazin 6, 1975; p. 75ff. Da auch diese Quelle der anti-korporativen Allgemeinheit seit 1998 im Internet zugänglich ist (http://www.nadir.org/nadir/periodika/anarcho_randalia/brosche/mm.htm ), kann diese Auslassung nur Resultat bewussten Übergehens oder schludriger Recherche sein.

[4] Entlastend muss in diesem Fall angemerkt werden, dass Dr. Peters anscheinend eine Aversion gegen Fremdsprachen hat. Seine Literaturliste ist linguale Monokultur! Entsprechend fehlen also auch rezente Artikel aus der amerikanischen und britischen Presse zum Thema.

[5] Ich bin mir nun unsicher, ob sich meine persönliche Wiedergeburt als Alter Herr gleich zweier Kösener Corps in einen Anspruch auf Gratis-Obst parlieren lässt, wenn ich Kalkutta das nächste mal besuche.

[6] Pabst, Martin. Couleur und Braunhemd: Deutsche Studenten in der Weimarer Republik und im “Dritten Reich”, München: Verlagsgemeinschaft Anarche, 1993.

[7] Oertel, Thomas. Horst Wessel: Untersuchung einer Legende, Köln, Wien: Böhlau, 1988 (Diss. Braunschweig, 1987)

[8] Vorlaute Zeitgenossen könnten hier anmerken, dass “doppelter Blick” zumeist Resultat eines Sehfehlers bzw. übermässigen Alkoholgenusses ist. Herr Peters, wie ist das bei Ihnen?

[9] S. Statuten des Kösener SC-Verbandes (11/85); in Handbuch des Kösener Corpsstudenten, Band 2; S. 2/3

[10] Diese geradezu antisemitisch anmutenden textimmanenten Implikationen (z.B. die gezielte Negativbelegung der Mensur durch Vergleich mit der rituellen Beschneidung) werden leider noch übertroffen: Gerade in seiner Abhandlung der Mensur lässt Peters eine fast kolonialistisch-protorassistische Überheblichkeit durchblicken, wenn er über ähnliche Menschheitsrituale von durch Gänsefüsschen nur schwach verbrämten “primitiven” und “Naturvölkern” schwadroniert.

[11] Dabei werden den noch nicht selbst stimmberechtigten Neumitgliedern (Füchsen) nicht nur ein Interessenvertreter in der Person des Fuchsmajors eingeräumt, sondern in Form des von ihm selbst gewählten (bei Corpsstudenten trotz Peters’ gegenteiliger Behauptung oder Erfahrungshintergrund zumeist nicht zwangsläufig homosexuell veranlagten) Leibburschen eine doppelte Repräsentation gewährt.

[12] Typisch: Der Germanozentriker Peters unterlässt es geflissen, die seit über anderthalb Jahrhunderten herrschende Offenheit der Corps gegenüber der vollwertigen Mitgliedschaft ausländischer Studenten anzusprechen.

[13] Ein weiterer pikanter Aspekt der corpsstudentischen Arbeitsplatzkabale ist Peters hier anscheinend durch die Lappen gegangen: Überwiegt nun Nepotismus oder Frauenfeindlichkeit? Beschränkt sich corpsstudentische Vetternwirtschaft auf Männerbündler, oder werden gar Altherrentöchter, Ehefrauen, Freundinnen oder Schwiegertöchter ähnlich bevorzugt vermittelt? Ich wittere eine Habilitationsschrift!

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